Landschaftsarchitektin Carmen Lefeber

Fragen & Antworten

Wie groß muss mein Garten sein für eine naturnahe Bepflanzung?


Die Größe spielt keine Rolle, man kann einen kleinen Garten genauso naturnah anlegen wie ein großes Grundstück. Wichtiger ist, die Vielfalt der Strukturen und heimischen Pflanzen. Jeder Quadratmeter zählt!




Kann ich auch auf dem Balkon oder auf der Dachterrasse eine naturnahe Bepflanzung anlegen?


Auch ein Balkon kann mit heimischen Pflanzen bestückt werden. Das hat den Vorteil, dass diese Pflanzen wesentlich robuster und trockenheitsverträglicher sind als hochgezüchtete Sommerblumen. Außerdem ist der Aufwand an Arbeit und Kosten geringer, da nicht jedes Jahr alle Pflanzen neu gekauft werden müssen.
Zur Inspiration empfehle ich folgende Webseite: www.wildermeter.de




Was kostet mich solch eine Anlage?


Das kommt ganz auf den Aufwand an. Die Kosten können ähnlich oder günstiger sein als eine vergleichbare herkömmliche Gartengestaltung.
Am günstigsten ist es bei einem Neubau, da hier mit dem vorhandenen Rohboden gearbeitet werden kann und dadurch weniger Bodenmaterial abgefahren und Humus gekauft werden muss.
Ansaaten auf diesen Rohböden sind meist artenreicher.
Wenn man die Möglichkeit hat, Recyclingmaterial zu verwenden, kann auch hier Geld gespart werden.




Wie hoch ist der Pflegeaufwand?


Der Pflegeaufwand ist in den ersten beiden Jahren, ähnlich wie bei herkömmlich neu angelegten Gärten am größten. Hier ist es auch besonders wichtig, diese Pflege fachgerecht durchzuführen. Nach zwei Jahren ist die Pflanzung so gut eingewachsen, dass die Pflege deutlich geringer wird. Ein Vorteil ist, dass sich die heimischen Pflanzen, anders als die meisten Zuchtformen, selbst aussäen können und entstehende Lücken sich damit schnell schließen. Außerdem sind diese Pflanzen robuster und an unser Klima gut angepasst. Sie müssen in heißen Sommern wesentlich weniger gegossen werden.




Wann beginne ich am besten mit der Umgestaltung?


Begonnen werden kann - bis auf die Frostphase im Winter - jederzeit.
Für Ansaaten ist je nach Witterung das Frühjahr, bis maximal Mitte Mai, und der Herbst ab September zu empfehlen. Während der heißen Sommermonate müssten die Ansaatflächen und auch Staudenpflanzungen bei Trockenheit regelmäßig gegossen werden.




Welche Elemente gehören unbedingt in einen naturnah gestalteten Garten?


Das Wichtigste sind natürlich die heimischen und standortgerechten Pflanzen, als Zwiebel, Saatgut, Stauden, Sträucher, Kletterpflanzen und Bäume. Die Auswahl sollte so gestaltet sein, dass möglichst lange übers Jahr etwas blüht. Eine große Auswahl ist auch deswegen nötig, da z.B. Raupen als Futter ganz andere Pflanzen benötigen als die erwachsenen Insekten oder Schmetterlinge.
Ferner sollten Strukturen geschaffen werden, die Tieren Unterschlupf und Winterquartier bieten. Dies können Steinhaufen, Trockenmauern, Rankgerüste, Totholzhaufen, Sickermulden oder Wasserflächen, Nisthilfen für Wildbienen oder Vogelhäuser sein.




Was sind heimische Pflanzen und warum sind diese so wichtig?


Als heimisch werden alle Pflanzen bezeichnet, die bereits vor 1492 bei uns vorkamen, also bevor Kolumbus Amerika entdeckte und mit den Seefahrern viele neue Arten zu uns kamen.
Heimische Pflanzen und Insekten haben sich über Jahrmillionen aneinander angepasst und manche sind direkt voneinander abhängig. Gibt es die Pflanze nicht mehr, verschwinden auch davon abhängige Insektenarten und umgekehrt.




Was muss ich beim Kauf von Samenmischungen beachten?


Viele Samenmischungen enthalten fremdländische Pflanzenarten, die von heimischen Insekten nicht genutzt werden oder heimische Arten verdrängen können.
Fragen Sie nach Mischungen mit ausschließlich heimischen Arten, im Idealfall regionaler Herkunft.
Eine Auswahl von heimischen Saatgutproduzenten, bei denen man bestellen kann, finden Sie unter Links & mehr.
Oder sammeln Sie bei Ihren nächsten Spaziergängen einfach Samen von heimischen Arten, die Ihnen gefallen (natürlich nur von häufigen Arten außerhalb von Schutzgebieten).




Was ist der Unterschied zwischen einjährigen und mehrjährigen Mischungen?


Einjährige Mischungen, werden im Frühjahr ausgesät und kommen ab Juni zur Blüte. Spätestens im September werden sie wieder abgemäht. Solche Flächen bieten keinen nachhaltigen ökologischen Gewinn. Mehrjährige Mischungen, die das Ziel haben, einen dauerhaften, wiesenartigen Bestand zu erzeugen haben einen hohen ökologischen Wert. Sie bringen ganzjährig Lebensraumverbesserungen für unsere heimischen Insekten, so dass diese Blüten, Pollen und Nektar für ihre Ernährung finden. Wenn ungemähte Bereiche stehen bleiben, wie z.B. bei Blühsäumen, bieten sie sogar Strukturen zum Überwintern.




Wie sieht die Pflege aus?


Das ist je nach Art der angelegten Fläche unterschiedlich.
Es gibt Magerwiesen oder Blühsäume, die nur einmal jährlich, am besten im Frühjahr gemäht werden, Wiesenflächen, die zwei bis dreimal pro Jahr gemäht werden und Staudenflächen, die bei Bedarf alle paar Jahre oder nie gemäht werden.
Bei allen Flächen ist es jedoch wichtig, dass vor allem im ersten Jahr die unerwünschten Beikräuter wie Melde, Hirtentäschel, Disteln und Löwenzahn gejätet oder mit Schröpfschnitten dezimiert werden. Das sind Schnitte, die sobald die Pflanzen etwas Bierflaschenhöhe erreicht haben, mit hoher Mähereinstellung durchgeführt werden.
Wichtig ist, dass nicht alles im Herbst abgeschnitten wird, weil viele Insekten als Ei oder verpuppte Larve an vertrockneten Blättern oder Stängeln überwintern.





„Die Natur bekümmert sich nicht um irgendeinen Irrtum, sie kann nicht anders als ewig recht handeln, unbekümmert, was daraus erfolgen möge.“

Johann Wolfgang v. Goethe